Sekretorisches Immunglobulin A (sIgA) ist der zentrale Effektor der mukosalen Immunabwehr und gilt als Leitmarker der sekretorischen Immunantwort an der Darmschleimhaut. Es wird von Plasmazellen in der Lamina propria produziert, durch die sekretorische Komponente stabilisiert und transepithelial in das Darmlumen sezerniert. Seine physiologischen Hauptfunktionen umfassen die Neutralisation von Antigenen, Toxinen und Mikroorganismen sowie die Verhinderung der epithelialen Adhärenz und Translokation von Schadstoffen – ein Mechanismus, der als Immunexklusion bezeichnet wird. Darüber hinaus moduliert sIgA die Zusammensetzung des Mikrobioms durch selektive Bindung an kommensale und pathogene Bakterien (sogenanntes IgA-Coating) und trägt wesentlich zur Aufrechterhaltung der intestinalen Homöostase bei. Da sIgA im Stuhl proteolytisch stabil ist, ermöglicht die Bestimmung im Stuhl eine zuverlässige Quantifizierung der mukosalen Immunaktivität.
Erhöhte sIgA-Werte reflektieren eine gesteigerte Aktivität des Schleimhaut-assoziierten lymphatischen Gewebes (MALT) und sind als Reaktion auf erhöhten Antigenstress zu interpretieren – etwa bei luminaler Dysbiose, Pilzbesiedlung, Nahrungsmittelantigenen oder entzündlicher Schleimhautaktivierung. Funktionell korrelieren erhöhte Werte häufig mit einer Expansion fakultativ pathogener Enterobacteriaceae (E3-Marker) oder mit dem Nachweis intestinaler Mykosen.
Erniedrigte sIgA-Werte hingegen weisen auf eine Insuffizienz der mukosalen Immunantwort hin. Pathophysiologisch kann dies Folge einer sekretorischen Immundefizienz, Unterfunktion des MALT, prolongiertem Stress mit Cortisol-vermittelter IgA-Suppression oder Malnutrition sein. Klinisch gehen niedrige sIgA-Spiegel mit erhöhter Infektanfälligkeit, gesteigerter Sensibilisierungsneigung gegenüber Nahrungsmittelantigenen sowie einer verminderten Kapazität zur mikrobiellen Kontrolle einher. Erniedrigte Werte sind zudem charakteristisch für die Zöliakie, bei der eine lokale IgA-Sekretionsstörung der Mukosa bestehen kann.
Alpha-1-Antitrypsin (A1AT) ist ein hepatisch synthetisierter Serinproteaseinhibitor, der physiologisch primär der systemischen Proteaseregulation dient. Im Gastrointestinaltrakt ist A1AT aufgrund seiner Resistenz gegenüber intestinaler Proteolyse ein geeigneter endogener Marker für den Übertritt von Plasmaproteinen in das Darmlumen. Unter physiologischen Bedingungen passiert nur eine geringe Menge A1AT die intakte Darmbarriere. Bei Störungen der mukosalen Integrität, zum Beispiel durch entzündliche Schleimhautläsionen, eine erhöhte intestinale Permeabilität oder lymphatische Obstruktionen, kommt es zu einem vermehrten Übertritt in das Darmlumen, der im Stuhl messbar ist.
Erhöhte A1AT-Werte im Stuhl sind Ausdruck einer Barrierestörung und können auch latente oder subklinische Prozesse anzeigen, bei denen klassische Entzündungsmarker wie Calprotectin noch im Normbereich liegen. Differenzialdiagnostisch relevante Ursachen umfassen entzündliche Darmerkrankungen, allergische Enteropathien, eosinophile Gastroenteritiden, intestinalen Proteinverlust im Rahmen einer exsudativen Enteropathie sowie nichtinvasive Barrierestörungen bei funktionellen Erkrankungen oder Dysbiose-assoziierter Tight-Junction-Dysfunktion.
Die Kombination eines erhöhten A1AT mit einem normwertigen Calprotectin weist pathophysiologisch eher auf eine Permeabilitätsstörung ohne relevante neutrophile Entzündungsaktivität hin, was therapeutisch und diagnostisch eine andere Konsequenz hat als eine klassische entzündliche Erkrankung. Im Basisprofil Darm ist ein erhöhtes A1AT funktionell einzuordnen mit reduzierten C- und D-Markern, sowie erhöhten E-Markern.
Gallensäuren werden hepatisch aus Cholesterol synthetisiert, in der Gallenblase gespeichert und postprandial in das Duodenum sezerniert, wo sie die Emulgierung und Absorption von Nahrungsfetten sowie fettlöslichen Vitaminen ermöglichen. Der enterohepatische Kreislauf gewährleistet unter physiologischen Bedingungen eine effiziente Rückresorption von mehr als 95 % der sezernierten Gallensäuren im terminalen Ileum. Lediglich ein kleiner Anteil gelangt in das Kolon, wo er durch das intestinale Mikrobiom zu sekundären Gallensäuren (Desoxycholsäure, Lithocholsäure) biotransformiert wird.
Gelangen pathologisch erhöhte Gallensäuremengen in den Dickdarm, zum Beispiel durch ileale Malabsorption, postoperative anatomische Veränderungen (Ileumresektion, Cholezystektomie) oder durch eine primäre Gallensäuremalabsorption, entfalten sie sekretagoge und osmotische Wirkungen am Darmepithel, stimulieren die intestinale Motilität und können so eine chologene Diarrhö verursachen. Epidemiologisch ist eine Gallensäuremalabsorption bei einem relevanten Anteil der Patienten mit Reizdarmsyndrom vom Diarrhö-Typ (IBS-D) als ätiologischer Faktor anzusehen und wird klinisch häufig unterdiagnostiziert.
Gallensäuren im Stuhl stellen einen zentralen integrativen Marker dar: Erhöhte Gallensäuren in Kombination mit einem erhöhten intestinalen Wassergehalt sind pathophysiologisch wegweisend für eine chologene Diarrhö. Liegen gleichzeitig erhöhte Fettwerte im Stuhl vor, ist differenzialdiagnostisch eine Steatorrhoe in Betracht zu ziehen, die auf eine begleitende Maldigestion oder Malabsorption hindeutet.
Darüber hinaus sind Gallensäuren ein bedeutsamer Regulator der Mikrobiomkomposition: Ein gallensäurereiches kolonisches Milieu begünstigt die Expansion gallensäuretoleranter Spezies (B- und E-Marker) und kann anaerobe Schutzkommensale wie Faecalibacterium prausnitzii oder Roseburia spp. supprimieren. Umgekehrt ist das intestinale Mikrobiom maßgeblich an der Biotransformation primärer zu sekundären Gallensäuren beteiligt. Eine Dysbiose mit Verlust relevanter Biotransformationskapazität kann das Gallensäureprofil verschieben und so einen sich selbstverstärkenden Regelkreis aus Dysbiose und pathologischem Gallensäuremilieu etablieren.
Calprotectin ist ein kalziumbindendes Protein aus der S100-Familie, das überwiegend in neutrophilen Granulozyten, aber auch in Monozyten und Makrophagen vorkommt. Bei entzündlicher Aktivierung der Darmmukosa kommt es zur Einwanderung und Degranulation neutrophiler Granulozyten in die Darmschleimhaut, wodurch Calprotectin in das intestinale Lumen freigesetzt wird. Die Calprotectinkonzentration im Stuhl korreliert gut mit der histologischen und endoskopischen Entzündungsaktivität der Mukosa und ist insbesondere zur Differenzierung zwischen organisch-entzündlichen und funktionellen Darmerkrankungen sowie zur Verlaufskontrolle chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) etabliert.
Erhöhte Calprotectinwerte sind Ausdruck einer aktiven neutrophilen Entzündung und finden sich bei CED (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), infektiösen Enteritiden, medikamentös-induzierten Enteropathien (z. B. NSAR, Immuntherapeutika) sowie bei weiteren entzündlichen Prozessen der Darmmukosa. Bei CED-Patienten korreliert der fäkale Calprotectinspiegel mit der Krankheitsaktivität und ermöglicht eine engmaschige, nicht-invasive Therapieverlaufskontrolle sowie die frühzeitige Detektion präklinischer Rezidive. Bei deutlich erhöhten Werten ist eine weiterführende gastroenterologische Abklärung indiziert, um behandlungsbedürftige Erkrankungen auszuschließen.
Im Basisprofil Darm besitzt Calprotectin eine wichtige kontextualisierende Funktion: Erhöhte Werte verleihen dem Nachweis fakultativ pathogener Enterobacteriaceae (E3-Marker) sowie entzündungsassoziierter Spezies der E1-Kategorie eine klinisch stärkere Gewichtung, da diese Mikroorganismen in einem entzündlichen Milieu ökologische Wachstumsvorteile gegenüber obligat anaeroben Kommensalen besitzen. Gleichzeitig ist ein Rückgang protektiver D2-Marker, insbesondere Faecalibacterium prausnitzii und Roseburia spp., in diesem Kontext von besonderer pathophysiologischer Relevanz, da Butyrat als primäres Substrat der Kolonozyten antiinflammatorische Effekte über die Hemmung des NF-κB-Signalwegs sowie die Induktion regulatorischer T-Zellen vermittelt. Ein entzündungsbedingt reduziertes Butyratangebot kann die mukosale Barrierefunktion weiter beeinträchtigen und einen sich gegenseitig verstärkenden Kreislauf aus Inflammation, Dysbiose und Barrierestörung unterhalten.
Pankreaselastase-1 (PE-1) ist eine pankreasspezifische Serinprotease, die azinär synthetisiert und über den Pankreasgang in das Duodenum sezerniert wird. Da PE-1 die intestinale Passage weitgehend unbeeinflusst übersteht und im Stuhl nicht abgebaut wird, spiegelt ihre Konzentration im Stuhl direkt die exokrine Syntheseleistung des Pankreas wider. PE-1 gilt als nichtinvasiver Standardmarker zur Erfassung einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI).
Eine erniedrigte PE-1 weist auf eine unzureichende Sekretion pankreatischer Verdauungsenzyme hin, was in einer insuffizienten luminalen Hydrolyse von Nahrungsfetten, -proteinen und -kohlenhydraten resultiert. Pathophysiologisch liegt der EPI häufig eine chronische Pankreatitis, eine Pankreasfibrose, ein Pankreaskarzinom, ein Zustand nach Pankreasresektion oder -trauma, eine Pankreasgangobstruktion oder – insbesondere bei Kindern – eine zystische Fibrose zugrunde. Klinisch manifestiert sich die EPI typischerweise durch Steatorrhoe, voluminöse und fettglänzende Stühle, Meteorismus, abdominelle Beschwerden sowie bei längerem Verlauf durch Gewichtsverlust und fettlösliche Vitaminmangelzustände (Vitamine A, D, E, K).
Im Basisprofil Darm ist eine niedrige PE-1 von besonderer Bedeutung: Durch die unzureichende Vorverdauung im Dünndarm gelangt ein pathologisch erhöhtes Angebot an unverdauten Nahrungssubstraten in den Dickdarm, insbesondere Fette und Proteine. Dieses Substratüberangebot verändert das Darmmilieu und begünstigt die Proliferation proteolytischer und lipolytischer Mikroorganismen auf Kosten saccharolytischer Schutzkommensalen. Erhöhte Fett- und Eiweißrückstände im Stuhl sind in dieser Konstellation primär als Folge der reduzierten pankreatischen Verdauungsleistung und nicht als eigenständige Dysbiose zu werten. Die Differenzierung ist klinisch entscheidend, da in diesem Fall die Substitution von Pankreasenzymen als primäre therapeutische Maßnahme im Vordergrund steht und Mikrobiomveränderungen sich häufig sekundär normalisieren, sobald die Verdauungskapazität wiederhergestellt ist.
GABA und Tryptophan sind funktionelle Marker der Darm-Hirn-Mikrobiom-Achse. Ihre Bestimmung im Stuhl spiegelt das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Nahrungssubstratzufuhr, digestiver Kapazität, mikrobieller Stoffwechselaktivität und mukosalem Metabolismus wider. Im Unterschied zu strukturellen Mikrobiomparametern liefern diese Marker eine funktionelle Perspektive auf neuroaktive und immunmodulatorische Signalwege, die für die Pathophysiologie funktioneller Darmerkrankungen von besonderer Relevanz sind.
GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ist der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter des zentralen Nervensystems und entfaltet auch im enterischen Nervensystem sowie an Afferenzen des viszeralen Schmerzempfindens modulierende Wirkungen. GABA wird nicht ausschließlich durch den Wirtsorganismus synthetisiert, sondern auch durch Darmbakterien, insbesondere Lactobacillus- und Bifidobacterium-Spezies, über die Decarboxylierung von Glutamat produziert. Eine ausreichende luminale GABA-Verfügbarkeit trägt zur Dämpfung des viszeralen Schmerzempfindens und zur Regulation der intestinalen Schmerzverarbeitung bei. Verminderte GABA-Spiegel im Darmmilieu können mit einer reduzierten inhibitorischen Modulation viszeraler Afferenzen assoziiert sein und dadurch eine viszerale Hypersensitivität begünstigen oder unterhalten.
Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure und Ausgangsubstrat dreier physiologisch bedeutsamer Stoffwechselwege: des Serotonin-Wegs, des Kynurenin-Wegs und des bakteriellen Indol-Wegs. Der Serotonin-Weg, der überwiegend in den enterochromaffinen Zellen der Darmmukosa stattfindet, ist maßgeblich an der Regulation von Darmmotilität, Sekretion und Schmerzwahrnehmung beteiligt, wobei ca. 90 % des körpereigenen Serotonins im Darm synthetisiert werden. Der Kynurenin-Weg, der durch proinflammatorische Stimuli wie Interferon-γ aktiviert wird, konkurriert metabolisch mit der Serotoninsynthese und kann bei entzündlicher Aktivierung zu einer Verschiebung der Tryptophanverwertung zugunsten immunaktiver und potenziell neurotoxischer Metabolite führen. Der bakterielle Indol-Weg produziert Indolderivate mit agonistischer Wirkung am Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AhR), die intestinale Barrierefunktion, mukosale Immunbalance und epitheliale Integrität positiv beeinflussen.
Auffällige GABA- und Tryptophanwerte werden vorrangig bei funktionellen Darmerkrankungen beobachtet, insbesondere beim Reizdarmsyndrom mit viszeraler Hypersensitivität, ausgeprägter Stressreagibilität oder Schmerzsymptomatik. Tryptophanveränderungen sind darüber hinaus bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beschrieben, wo sie mit entzündlicher Mukosaaktivität und gesteigertem oxidativem Stress in Verbindung stehen und eine Verschiebung der Tryptophanverwertung in Richtung Kynurenin-Weg reflektieren können.
Niedrige C2-Marker im Mikrobiom können das mikrobielle Potenzial zur Produktion neuroaktiver Metabolite und Tryptophanderivate einschränken. Eine Dominanz milchsäurebildender Spezies ohne ausreichende Weiterverarbeitung fermentativer Zwischenprodukte kann den pH-Wert im Dickdarm senken und Beschwerden verstärken. Bei erniedrigten D2-Markern sind Auffälligkeiten in GABA- und Tryptophanwerten als Bestandteil einer übergeordneten Störung zu verstehen, bei der protektive, antiinflammatorische und neuromodulatorische Funktionen des Mikrobioms gleichzeitig beeinträchtigt sind. Liegen gleichzeitig erhöhte Entzündungsmarker wie Calprotectin oder Alpha-1-Antitrypsin sowie entzündungsassoziierte bakterielle Muster vor, sind veränderte Tryptophanwerte als Ausdruck einer entzündlichen Stoffwechselverschiebung zu interpretieren und weniger als primär funktionelle oder mikrobiombedingte Dysregulation.
Physiologische Grundlage:
Die Darmschleimhaut bildet eine dichte Zellbarriere zwischen dem Darmlumen und dem Körperinneren. Zwischen den Epithelzellen befinden sich Tight Junctions – komplexe Proteinstrukturen (bestehend u. a. aus Claudinen, Occludin und Zonula-occludens-Proteinen), die den parazellulären Transport kontrollieren. Sie ermöglichen den selektiven Durchtritt von Wasser, Ionen und Nährstoffen, verhindern aber den unkontrollierten Übertritt von Makromolekülen, Mikroorganismen und Antigenen in die Submukosa und die systemische Zirkulation.
Zonulin ist ein körpereigenes Signalprotein, das diese Tight Junctions reguliert. Nach Bindung an spezifische Rezeptoren auf der Zelloberfläche der Enterozyten wird eine intrazelluläre Signalkaskade ausgelöst, die zur Kontraktion des perijunktionalen Zytoskeletts führt. Die Tight Junctions öffnen sich vorübergehend, die parazelluäre Permeabilität nimmt zu. Dieser Vorgang ist unter physiologischen Bedingungen reversibel und zeitlich begrenzt. Eine anhaltend gesteigerte Zonulinfreisetzung kann jedoch zu einer prolongierten Tight-Junction-Öffnung und damit zu einer klinisch relevanten Barrierestörung führen.
Bedeutung als Biomarker:
In der Stuhldiagnostik dient Zonulin als nicht-invasiver Marker der intestinalen Barriereregulation. Erhöhte Zonulinkonzentrationen im Stuhl zeigen eine gesteigerte Tight-Junction-Öffnungsaktivität an und deuten auf eine vermehrte Beanspruchung der Darmbarriere hin.
Die Barriereregulation ist ein dynamischer Prozess, der durch mehrere Faktoren moduliert wird: luminale Entzündungsreize, Nahrungsantigene (insbesondere Gliadine aus glutenhaltigem Getreide), Stresssignale über die Darm-Hirn-Achse, Veränderungen der intestinalen Transitzeit sowie bestimmte Medikamente. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) etwa reduzieren über eine Hemmung der Cyclooxygenase die schleimhautschützende Prostaglandinsynthese; Protonenpumpeninhibitoren (PPI) können über eine Veränderung des pH-Werts die mikrobielle Zusammensetzung und damit indirekt die Barrierefunktion beeinflussen.
Krankheitsassoziationen:
Am besten belegt ist die Rolle von Zonulin bei der Zöliakie: Bei genetisch prädisponierten Personen (HLA-DQ2/DQ8) führt die luminale Gliadinexposition zu einer verstärkten Zonulinfreisetzung mit anschließender Tight-Junction-Öffnung. Gliadinpeptide gelangen verstärkt in die Lamina propria und lösen dort über die Gewebstransglutaminase die charakteristische adaptive Immunantwort aus.
Erhöhte Zonulinwerte werden darüber hinaus bei verschiedenen immunvermittelten Erkrankungen beobachtet, darunter Diabetes mellitus Typ 1, multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis. Die zugrunde liegende Hypothese ist, dass eine chronisch erhöhte Darmpermeabilität den Übertritt luminaler Antigene in den Körper erleichtert und zur Aktivierung des Immunsystems beitragen kann. Dieses Konzept wird in der Fachliteratur als Leaky-Gut-Hypothese diskutiert und ist Gegenstand aktueller Forschung.
Interpretation im Kontext des Basisprofils Darm:
Ein erhöhter fäkaler Zonulinwert gewinnt besondere diagnostische Aussagekraft in der Zusammenschau mit weiteren Stuhlparametern. In der Regel korreliert ein erhöhtes Zonulin mit einem ebenfalls erhöhten fäkalen Alpha-1-Antitrypsin (AAT). Während Zonulin die aktive Regulation der Tight-Junction-Öffnung abbildet, zeigt AAT den passiven Proteinübertritt durch die geschwächte Barriere an. Sind gleichzeitig schleimhautprotektive Spezies (D1-Marker) und Butyrat-produzierende Kommensalen (D2-Marker) vermindert, wird die Barrierestörung pathophysiologisch plausibel. Butyrat dient als primäres Energiesubstrat der Darmepithelzellen, stimuliert die Expression von Tight-Junction-Proteinen und fördert die Muzinsekretion der Becherzellen. Ein Mangel an Butyratbildnern kann die Tight-Junction-Integrität daher beeinträchtigen. Bei gleichzeitiger Expansion opportunistischer oder fakultativ anaerober Gruppen (E1/E3-Marker) ergibt sich ein sich wechselseitig verstärkender Kreislauf aus Dysbiose, mukosaler Inflammation und parazellulärer Hyperpermeabilität. Proinflammatorische Bakterien können über die Freisetzung von Endotoxinen (z. B. Lipopolysaccharide) die Tight-Junction-Integrität zusätzlich kompromittieren und eine lokale Immunaktivierung in der Schleimhaut auslösen.
Physiologische Grundlage:
Histamin ist ein biogenes Amin, das durch enzymatische Decarboxylierung der Aminosäure L-Histidin entsteht. Es vermittelt seine Wirkung über vier Rezeptorsubtypen (H1–H4), die in unterschiedlichen Geweben exprimiert werden. Im Gastrointestinaltrakt ist Histamin an der Regulation der epithelialen Flüssigkeitssekretion, der gastrointestinalen Motilität, der mukosalen Durchblutung sowie der lokalen Immunmodulation beteiligt. Im Darm stammt Histamin aus drei Quellen: Erstens wird es durch Degranulation mukosaler Mastzellen freigesetzt – ausgelöst durch IgE-vermittelte Reaktionen, aber auch durch unspezifische Stimuli wie Neuropeptide oder mechanische Reizung. Zweitens produzieren bestimmte Darmbakterien Histamin durch Expression der Histidindecarboxylase. Drittens wird Histamin exogen über die Nahrung zugeführt, wobei insbesondere fermentierte und gereifte Lebensmittel hohe Konzentrationen enthalten (z. B. Hartkäse, Rotwein, Sauerkraut, geräucherter Fisch).
Der Abbau von Histamin erfolgt überwiegend durch das Enzym Diaminooxidase (DAO), das in hoher Konzentration in der Dünndarmschleimhaut vorkommt.
Histamin steigert die Flüssigkeitssekretion ins Darmlumen und kann sekretorische Diarrhö begünstigen. Es erhöht die Darmmotilität und kann Spasmen der glatten Muskulatur auslösen. Über Rezeptoren auf Immunzellen der Schleimhaut fördert es die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine. Darüber hinaus kann Histamin über intrazelluläre Signalwege die Tight-Junction-Architektur beeinflussen und so die parazelluäre Permeabilität erhöhen.
Bedeutung als Biomarker:
Ein erhöhter Histaminwert im Stuhl ist kein Nachweis einer Histaminintoleranz, sondern zeigt an, dass im Darm ein Ungleichgewicht zwischen Histaminanfall (Bildung und Zufuhr) und Abbaukapazität besteht. Klinisch wird eine Histaminwirkung beim Reizdarmsyndrom mit Diarrhödominanz (IBS-D) und bei allergisch-entzündlichen Darmerkrankungen als pathogenetischer Kofaktor diskutiert. Studien zeigen bei betroffenen Patienten eine erhöhte mukosale Mastzellaktivität, die mit der Beschwerdeintensität korreliert.
Die differenzierte Bewertung eines erhöhten fäkalen Histaminwertes erfordert die Zusammenschau mit dem übrigen Stuhlprofil. Ein erhöhtes Histamin in Kombination mit einer Expansion histaminbildender Bakteriengruppen und einem proinflammatorischen Darmmilieu spricht für eine relevante mikrobielle Histaminproduktion. Sind zusätzlich Barrieremarker wie Zonulin oder Alpha-1-Antitrypsin erhöht, weist dies auf eine kompromittierte Mukosabarriere hin. Eine geschädigte Schleimhaut kann die DAO-tragende Bürstensaumoberfläche reduzieren und damit die lokale Abbaukapazität vermindern, während das überschüssige Histamin seinerseits die Barriereintegrität weiter beeinträchtigt. Ein gleichzeitig erhöhtes sekretorisches IgA (sIgA) weist auf eine gesteigerte immunologische Auseinandersetzung mit luminalen Antigenen hin. Ein erhöhtes fäkales Calprotectin dagegen spricht für eine aktive neutrophile Schleimhautentzündung und sollte differenzialdiagnostisch insbesondere an eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung denken lassen.
Sind die übrigen Stuhlparameter normwertig, rücken individuelle, nicht-mikrobielle Faktoren in den Vordergrund: eine histaminreiche Ernährung, DAO-hemmende Lebensmittel oder Medikamente (z. B. Alkohol, bestimmte Analgetika, Antibiotika), psychovegetativer Stress mit Mastzellaktivierung sowie eine konstitutionell verminderte DAO-Expressionskapazität. Eine gezielte ernährungsmedizinische und anamnestische Abklärung ist in diesen Fällen indiziert.