Für die Interpretation dieser komplexen Befunde ist entscheidend, nicht die einzelnen Keime isoliert zu betrachten, sondern die biologischen Rollen und das zugrunde liegende Milieu zu verstehen. Daher werden die bakteriellen Marker gruppiert und in funktionelle Gruppen eingeordnet.
Gruppe A umfasst kommensale Darmbakterien, also typische Bestandteile einer gesunden Darmmikrobiota. A1 beschreibt die dominanten Hauptgruppen. A2 umfasst weitere kommensale Gruppen, die zur mikrobiellen Grundstruktur, Diversität und Stabilität beitragen.
Gruppe B enthält Marker, die häufiger bei tierproduktbetonter Ernährung beobachtet werden.
Gruppe C bildet funktionelle Stoffwechselgruppen ab, insbesondere das Cross-Feeding. C1 umfasst Marker, die komplexe Kohlenhydrate wie Ballaststoffe und Präbiotika abbauen und damit die Basis für eine günstige Fermentation schaffen. C2 umfasst Milchsäurebakterien und probiotikaassoziierte Taxa.
Gruppe D fokussiert auf die Darmbarriere und die Bildung kurzkettiger Fettsäuren. D1 umfasst barriereassoziierte Marker, die mit einer stabilen Schleimhautumgebung in Verbindung gebracht werden. D2 umfasst wichtige Produzenten kurzkettiger Fettsäuren wie Butyrat und Propionat.
Gruppe E beschreibt entzündungsassoziierte und opportunistische Muster. Diese Marker können Teil der Normalflora sein, gewinnen aber bei bestimmten Milieubedingungen an Bedeutung. E1 umfasst Indikatoren, die in Studien häufiger bei Entzündungen beobachtet werden. E2 umfasst Taxa, die je nach Stamm potenziell virulente Eigenschaften tragen können. E3 umfasst fakultative Anaerobier, deren Zunahme häufig mit einem weniger strikt anaeroben Darmmilieu vereinbar ist, wie es bei Entzündung, Blutbeimengung oder Störung der Darmbarriere vorkommen kann. E4 umfasst überwiegend orale Bakterien, deren Nachweis im Darm als Hinweis auf Milieuverschiebungen und reduzierte Kolonisationsresistenz interpretiert werden kann. E5 umfasst Keime, die typischerweise aus Genital-, Atemwegs- oder Hautflora stammen und im Darm meist als Transienten oder Zeichen einer gestörten ökologischen Stabilität eingeordnet werden.
Candida gehört bei vielen Menschen in niedriger Menge zur intestinalen Begleitflora. Die Ausbreitung wird begünstigt durch reduzierte Kolonisationsresistenz, verändertes Substratangebot, Antibiotikabelastung oder eine geschwächte Schleimhautabwehr.
Ein erhöhter Nachweis ist unspezifisch und beweist keine invasive Infektion. Klinische Relevanz entsteht, wenn gleichzeitig eine Dysbiose mit Zunahme opportunistischer oder potenziell pathogener Gruppen vorliegt, wie die E3-Marker, oder wenn Schutznetzwerke reduziert sind, etwa D2-Butyratproduzenten. sIgA hilft bei der Einordnung, ob eher Antigenstress oder eine Abwehrschwäche im Vordergrund steht.
Schimmelpilze können aus Nahrung, Umweltkontakt oder transienter Passage stammen und sind deshalb häufig nicht gleichbedeutend mit Kolonisation.
Ein isolierter Nachweis ist meist unspezifisch. Relevanz entsteht vorrangig bei immunsupprimierten Patientinnen und Patienten oder bei starker, persistierender Symptomatik.
Die Einordnung erfolgt zusammen mit Barriere und Entzündungsmarkern. Bei gleichzeitig erhöhtem Calprotectin oder erhöhter E3-Abundanz wird stärker an eine aktive Schleimhautbelastung gedacht, während bei unauffälligen Entzündungsparametern eher Passage und Exposition im Vordergrund stehen.
Dieser hefeähnliche Pilz kann im Darmtrakt transient auftreten oder Teil einer opportunistischen Begleitflora sein. Der Nachweis wird von Ernährung, Transit und Kolonisationsresistenz beeinflusst.
Der Marker ist vor allem bei gleichzeitiger Dysbiose und Störung der Darmbarriere relevant, als Kombination aus niedrigem sIgA oder hoher Antigenlast mit erhöhter E3-Abundanz und reduzierten SCFA-Bildnern.