Taxonomische Einordnung
Alistipes ist eine Gattung strikt anaerober Darmbakterien innerhalb der Bacteroidota und gehört bei vielen Menschen zum normalen kommensalen Darmökosystem.
Biologische und funktionelle Rolle
Alistipes ist in den bakteriellen Abbau von Nährstoffen eingebunden, die in westlichen Ernährungsformen häufiger anfallen, und wird in Studien wiederholt mit Ernährungs- und Stoffwechselmilieus in Verbindung gebracht, die durch höhere Fett- und tierproduktbetonte Anteile geprägt sind. In Interventions- und Beobachtungsstudien wurden bei entsprechender Kost häufiger erhöhte relative Anteile von Alistipes beschrieben.
Krankheitsassoziationen
Bei der Gewichtsregulation wurde in einzelnen Kohorten beobachtet, dass eine höhere Ausgangsabundanz von Alistipes mit einem besseren langfristigen Gewichtsverlust assoziiert sein kann.
Bei Reizdarmsyndrom wurden Alistipes spp. in Übersichtsarbeiten und Kohortenstudien wiederholt als mitbeteiligte Gruppe berichtet, dabei teils mit erhöhter Abundanz in Subgruppen, insbesondere bei Symptomkonstellationen mit Schmerz, Blähungen oder Begleitsymptomen wie Fatigue.
Bei depressiven Symptomen wurden in Multi-Omics-Studien Zusammenhänge zwischen Alistipes, Metabolitenprofilen und depressionsbezogenen Merkmalen beschrieben. Häufig wurde hierbei eine erhöhte Abundanz berichtet, wobei die Ergebnisse populations- und methodenabhängig sind.
Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist Alistipes in Studien wiederholt auffällig, jedoch nicht einheitlich in eine Richtung. Je nach Kohorte und Erkrankungsaktivität wurden sowohl verminderte als auch erhöhte Abundanzen beschrieben. Experimentelle Daten deuten für einzelne Arten auf immunmodulatorische Effekte hin, was erklärt, warum Alistipes nicht als reiner Risiko- oder Schutzmarker verstanden werden sollte.
Klinische Einordnung
Alistipes ist kein eindeutig günstiger oder ungünstiger Marker, der im Zusammenspiel mit Entzündungsindikatoren (z. B. Calprotectin), Barriereparametern (z. B. Alpha-1-Antitrypsin, Zonulin), den Verdauungsrückständen sowie den funktionellen Gruppen des Befunds, insbesondere SCFA- und Butyratnetzwerken (D2) und entzündungsassoziierten Gruppen (E) interpretiert werden soll.
Louis S, Tappu R-M, Damms-Machado A, Huson DH, Bischoff SC (2016) Characterization of the Gut Microbial Community of Obese Patients Following a Weight-Loss Intervention Using Whole Metagenome Shotgun Sequencing. PLoS ONE 11(2): e0149564. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0149564
Wan Y, Wang F, Yuan J, et al Effects of dietary fat on gut microbiota and faecal metabolites, and their relationship with cardiometabolic risk factors: a 6-month randomised controlled-feeding trial Gut 2019;68:1417-1429.
Liu S, Li Y, Shi Y, et al. Multi-omics analyses of the gut microbiome, fecal metabolome, and multimodal brain MRI reveal the role of Alistipes and its related metabolites in major depressive disorder. Psychological Medicine. 2025;55:e190. doi:10.1017/S003329172510072X
Taxonomische Einordnung
Alistipes onderdonkii ist eine Art innerhalb der Gattung Alistipes und wird als Bestandteil der normalen Darmmikrobiota beschrieben.
Biologische und funktionelle Rolle
Für A. onderdonkii liegen vor allem präklinische Daten vor. In Tiermodellen wurden immunmodulatorische Effekte beschrieben, teils mit einer Abschwächung entzündlicher Signalwege. In einzelnen Modellen wurden außerdem günstige Effekte auf metabolische Parameter wie die Glukosetoleranz berichtet. Ökologisch folgt A. onderdonkii häufig den Mustern der Gattung Alistipes insgesamt. In ernährungsbezogenen Studien werden Alistipes-Signaturen eher bei einem Milieu mit höherer Fett- und tierproduktbetonter Kost beobachtet, was typischerweise mit einer erhöhten relativen Abundanz einhergeht.
Die Evidenz zu A. onderdonkii ist heterogen und beruht zu wesentlichen Teilen auf präklinischen und translationalen Daten, weshalb die klinische Einordnung immer im Gesamtmuster erfolgen sollte.
In entzündungsbezogenen Tiermodellen wurden protektive Effekte überwiegend im Zusammenhang mit einer höheren Präsenz bzw. Gabe von A. onderdonkii beschrieben, was als Hinweis auf potenziell antiinflammatorische Eigenschaften interpretiert wird.
In onkologischen präklinischen Arbeiten wird A. onderdonkii als Kandidat im Kontext der Immuntherapie untersucht. Hier wird eine höhere Abundanz oder Supplementierung im Modell mit einer günstigeren Immunantwort beziehungsweise einer Verstärkung von Therapieeffekten in Verbindung gebracht.
Krankheitsassoziationen
Als opportunistischer Erreger ist A. onderdonkii selten beschrieben, vor allem bei prädisponierenden Faktoren. Ein Stuhlnachweis allein ist kein Hinweis auf eine Infektion.
Klinische Einordnung
Klinische Relevanz entsteht vor allem dann, wenn das Gesamtprofil gleichzeitig auf Störung der Darmbarriere, Entzündungsaktivität oder eine funktionelle Verschiebung des Fermentationsmilieus hinweist. Die Bewertung erfolgt daher im Zusammenspiel mit D1-, D2- und E-Gruppen sowie den ergänzenden Parametern wie Wassergehalt, Gallensäuren, sIgA, Alpha-1-Antitrypsin und Calprotectin.
Li, Zhipeng et al. Oral administration of the commensal Alistipes onderdonkii prolongs allograft survival American Journal of Transplantation, Volume 23, Issue 2, 272 – 277
Jiaxuan Xin, Yandong Xiang, Juan Jiang, Zhengqi Jiang, Bo Yi, Next-generation probiotics Alistipes onderdonkii enhances the efficacy of anti-PD-1 therapy in colorectal cancer, Biochimica et Biophysica Acta (BBA) - Molecular Basis of Disease, Volume 1871, Issue 6, 2025, 167891, ISSN 0925-4439, doi.org/10.1016/j.bbadis.2025.167891.
Watanabe, N., Watari, T., Hosokawa, N., & Otsuka, Y. (2025). Alistipes Bacteremia in Older Patients with Digestive and Cancer Comorbidities, Japan, 2016–2023. Emerging Infectious Diseases, 31(4), 652-661. doi.org/10.3201/eid3104.241284.